Entstehung von Delinquenz und Dissozialität

Pädagogische und psychologische Annahmen

„Aggressives Verhalten“ beschreibt in der Regel die Verhaltenssymptome, die bei auffälligen Jugendlichen festzustellen sind. Fremdaggressivität und autoaggressives Verhalten unterschiedlichster Prägung treten ebenso auf wie depressive Verhaltensmuster. Solches, von der Norm abweichendes Verhalten ist die häufigste Störung im Kindes- und Jugendalter. Der Jugendliche hat „Gute Gründe“, sich so zu verhalten, wie er sich verhält. Wesentlich ist dabei, dass sein Verhalten nicht dem primären Zweck dient, Schaden zu bewirken.

 

Verhalten in unserem System „Umwelt“

Im System, der Umwelt des Jugendlichen, stellt diese Form seines Agierens ebenso Status erhaltende wie kontrollierende Werte zur Stabilisierung seines Selbstbewusstseins dar. Der Jugendliche glaubt, durch sein Verhalten ein konstruktives Ziel erreichen zu können. Dieses, auch unkontrollierte Verhalten, führt oft zu Delinquenz wie Vandalismus, Diebstahl und Körperverletzungen oder ist Teil eines dissozialen Syndroms, wie Schulverweigerung oder sexuelle Deviation.

Um die Gesellschaft vor Schaden durch junge Menschen zu bewahren, müssen Jugendämter, Jugendgerichte und andere staatliche Stellen eingreifen. Dabei stellen sich die Behörden zunehmend die Frage nach einer adäquaten und Erfolg versprechenden Modifikation des abweichenden Verhaltens Jugendlicher.

Verhalten im allgemeinen, aber auch dissoziales und delinquentes, folgt hinsichtlich der Häufigkeit des Auftretens ebenso sozialen Lerngesetzen, wie auch die Art und Weise des Verhaltens diesen Gesetzen folgt. Daraus ergeben sich Ableitungen für den Einfluss der individuellen Primärsozialisation durch soziale Institutionen wie Schule und Elternhaus und für den Einfluss von Informationssystemen wie Fernsehen, Presse oder andere Medien.

Der Jugendliche konstruiert sein Bewertungssystem und baut die pathogenen Anteile solcher Einflüsse ein. Gleichzeitig sucht er sich die passende Umgebung in einer Peergroup mit ähnlichen Bewertungskriterien. Eine „innere Motivationsquelle“ für normabweichendes Verhalten Jugendlicher ist nach allgemeiner Auffassung nicht gegeben.

Sicher spielt aber das Maß an Vulnerabilität eine Rolle. Heute ist davon auszugehen, dass die Schwelle, an der die Verletzlichkeit des Jugendlichen seine Reaktion erforderlich macht, auch genetisch determiniert ist.