| Wege aus der Einbahnstraße |
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Die
Häufigkeit eines Verhaltens ist unter anderem eine Funktion der mit
diesem Verhalten verbundenen Erwartungen und der subjektiven Bewertung
der erwarteten Verhaltenskonsequenzen.
Es können nur solche Verhaltensweisen
gezeigt werden, die dem Jugendlichen in seinem Verhaltensrepertoire zur
Verfügung stehen. Oder: was nicht gekonnt wird, kann auch nicht gezeigt
werden. Die Alternative des Jugendlichen zu aggressivem Verhalten muss,
um Aggression zu hemmen, in der subjektiven Verhaltenshierarchie höher
bewertet werden, als das aggressive Verhalten.
Damit das alternative Verhalten zur dominierenden
Reaktionsweise werden kann, müssen die beim Jugendlichen antizipierten
Konsequenzen einen höheren Belohnungswert haben, als
die Konsequenzen des aggressiven Verhaltens. Selbst wenn dem Jugendlichen
mehrere alternative Reaktionen zur Verfügung stehen, gelingt es ihm
nicht immer, das überlegene, positive Konsequenzen versprechende
Verhalten zu zeigen.
Die Ordnung alternativer Reaktionen in der
subjektiven Verhaltenshierarchie spiegelt meist auch die Ordnung nach
dem Komplexitätsgrad der Reaktionsmöglichkeiten wider. Grundsätzlich
ist aggressives Verhalten direkter, affektbestimmter, weniger kognitiv
gebunden und primitiver. Prosoziales Verhalten wirkt eher indirekt, ist
kognitiv geleitet, erfordert Reflexion und ist komplexer und reifer. Weil
aggressives Verhalten affektiv besetzt ist, erscheint es in der Ontogenese
früher und hat beim Jugendlichen eine größere Habituationsstärke.
Veränderung geschieht deshalb durch Training
des inneren Affektmanagements. Es muss eine gesteigerte Impulskontrolle
und Selbstwirksamkeitsüberzeugung, verbunden mit einer erhöhten
Frustrationstoleranz erlernt werden. Viele der komplexen Reaktionen, die
junge Menschen zeigen, sind durch die Wirkung von Vorbildern, von Modellen
erlernt. Modell-lernen bezeichnet deshalb den Vorgang, bei dem ein Individuum
durch Beobachtung von realen oder symbolischen Modellen Verhaltensweisen
in sein eigenes Verhaltensrepertoire übernimmt.
Oder es bezeichnet den Vorgang, bei dem sich
die Wahrscheinlichkeit des Auf-tretens für schon in seinem Repertoire
vorhandene Verhaltensweisen unter den Bedingungen situativer Verstärker
verändert. Das trifft nicht nur für äußerlich zu
beobachtendes Verhalten zu, sondern umfasst auch kognitive und emotionale
Abläufe.
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